Das gotische Münster (um 1270–1500)

Nachdem das spätromanische Münster um 1220/30 fertiggestellt war, dauerte es lediglich rund 50 Jahre, bis an diesem Bauwerk erstmals in gotischem Stil gebaut wurde: das spätromanische Hauptportal, dessen Aussehen nicht überliefert ist, wurde ersetzt durch eine prächtige gotische Portalanlage mit Vorhalle, die hinter der Westfassade, d.h. zwischen den Westtürmen, eingebaut wurde (siehe Kapitel „Rundgang › Westfassade › Hauptportal“). Darüber folgte das grosse, spitzbogige Westfenster, das bis heute das glatte Mauerwerk der Fassade öffnet. Hinter diesen Baumassnahmen stand wohl Bischof Heinrich von Neuenburg (1263-1274), der auch eine erste, in gotischem Stil errichtete Grabkapelle an das spätromanische nördliche Seitenschiff anbauen liess. In den folgenden Jahrzehnten wurden weitere Kapellen an die bis dahin dreischiffige Basilika angefügt, aus welchen mit der Öffnung im Innern (bis um 1340) die Fünfschiffigkeit des Münsters resultierte.

Am 18. Oktober 1356 suchte ein Erdbeben Basel heim und richtete am Münster zahlreiche Schäden wie die Gewölbe- und Turmeinbrüche an. Bischof Johann Senn von Münsingen und das Domkapitel verpflichteten Baumeister Johannes Parler von Gmünd für den Wiederaufbau der Bischofskirche. Schon 1363 war das Kryptagewölbe eingezogen und der Chor vollendet, so dass der Chorbereich neu geweiht und seiner liturgischen Funktion übergeben werden konnte.

Die nächsten gotischen Bauetappen waren: Einbau des Lettners, des Chorgestühls für das Domkapitel und des Bischofsthrons um 1381, Schliessung der Quer- und Langhausgewölbe ab 1400, Aufgabe der Portalvorhalle und Vorversetzung des Westportals um 1410/20, Aufführung der oberen Geschosse des Georgsturms bis 1428, Neubau des Doppelkreuzgangs 1429-1487, Ausbau des Martinsturms bis zum 23. Juli 1500. Das Münster besass nun nur noch zwei Türme statt der ehemals fünf. Trotz der Kombination von spätromanischen mit gotischen Bauformen ist die Gesamterscheinung des Münsters harmonisch und höchst stimmig.